Gruppenstunde
Sep
Vier mal drei Minuten, habe ich gelernt, als ich im Urlaub die „Dicke Berta“ besucht habe. Vier mal drei Minuten – das ist die Funkstille, die im Schiffsfunkverkehr pro Stunde vorgeschrieben ist. Alle 15 Minuten wird bei allen Funkstellen des Seefunkdienstes der Funkverkehr komplett eingestellt. Und damit das niemand vergisst, gibt es auf dem Ziffernblatt von Funkraumuhren farbige Markierungen; rote und grüne Sektoren, die den Zeitraum der Funkstille abgrenzen. Eine solche Uhr hängt auch im Funkraum der „Dicken Berta“ – in jenem alten Leuchtturm von Altenbruch in der Nähe von Cuxhaven. Und dort habe ich auch erfahren, was es mit diesen Schweigeminuten auf sich hat: Notsignale und Funksprüche, die von Schiffen in brenzligen Situationen abgesetzt werden, sind oft eher schwach und gehen leicht unter im allgemeinen Funkverkehr. Damit sie trotzdem gehört werden und Seeleute in Not Hilfe bekommen, verordnen sich alle anderen Funkerinnen und Funker regelmäßig eine Kommunikationspause und lauschen gemeinsam, ob irgendwo etwas zu hören ist. Ein Schweigen und Horchen, das so fest zum Stundenablauf gehört, dass es seine eigenen Markierungen hat auf dem Ziffernblatt einer Uhr.
„Gib mir ein hörendes Herz“, bittet der alte König Salomo in der Bibel, als Gott ihm einen Wunsch freistellt. Gib mir ein Herz, das auch die leisen Stimmen wahrnimmt, die im lauten Leben so leicht untergehen; ein Herz, das aufmerksam ist auch für Hilferufe oder unausgesprochene Zwischentöne im menschlichen Miteinander; und ein Herz, das hören kann, was unser Glaube an Gott uns erzählt über unser Tun und Sein in dieser Welt. „Gib mir ein hörendes Herz“ – daran musste ich denken, als ich im Urlaub die Sache mit der Funkstille verstanden habe. Denn: Vier mal drei Minuten – vielleicht hilft das als Erinnerung ja auch im Alltag einer „Landratte“. Damit nichts Wichtiges untergeht, auch nicht das Leise…
Es grüßt Sie herzlich
Pastorin Stefanie Reinert
Die aktuelle Ausgabe der Kirchenpost steht HIER zum Download bereit. Die gedruckte Ausgabe wird im September über die Umschau verteilt und liegt außerdem in unseren Kirchen und Gemeindehäusern zum Mitnehmen aus.
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